Strategische Kommunikation im Grätzl

Eine künstlerische Intervention auf einer Einkaufsstraße. Ein Event auf einem Kirchenvorplatz. Lokale Initiativen werden oft als Randprojekte wahrgenommen. Doch die Mission, für die sie sich einsetzen, kann weit über Bezirksgrenzen hinaus wirken.

In den vergangenen Wochen durften wir zwei solcher Grätzl-Events begleiten, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben: Die Pressekonferenz zu den GOLIF Pfandkellner*innen auf der Lerchenfelder Straße und Social Media Content für die Stadt Wien rund um das Spiel Österreich gegen Jordanien im Zuge der Fußball WM 2026.

GOLIF Pfandkellner*innen – Lerchenfelder Strasse serviert anders

Pfand gibt es in Österreich schon seit Anfang 2025. Doch im Gegensatz zu anderen Großstädten sucht man Pfandringe um Mistkübel in Wien noch vergeblich. Die Folge: Pfandsammler*innen müssen in die Mistkübel greifen und sind dadurch nicht nur Schmutz und Abfällen, sondern auch Schnittverletzungen ausgesetzt. Es stellte sich eine zentrale Frage: Wie macht man ein gesellschaftliches Thema sichtbar, ohne den Zeigefinger zu erheben?

Die Antwort darauf lieferte der Künstler GOLIF mit seinen Pfandkellner*innen auf der Lerchenfelder Straße. Die künstlerische Intervention entstand als private Initiative gemeinsam mit der IG Kaufleute Lerchenfelder Straße und verbindet Kunst, Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung auf spielerische Art und Weise im öffentlichen Raum. Unterstützt wurde das Projekt von fritz-kola und deren Initiative „Pfand gehört daneben“, die sich für einen sichtbaren, sicheren und würdevollen Umgang mit Pfand im öffentlichen Raum einsetzt.

Die Pfandkellner*innen sind ab Juni 2026 entlang der Lerchenfelder Straße zu entdecken und nutzen

Darf's noch ein bisserl Pfand sein?

Unsere Aufgabe bestand darin, die Initiative kommunikativ zu begleiten: Pressearbeit, Konzeption und Organisation der Pressekonferenz bis hin zur Content Produktion und Social Media Management machten das Projekt auf allen Kanälen sichtbar. Die Pressekonferenz brachte Vertreter*innen aus Politik, Privatwirtschaft, Kunst und Medien zusammen und erreichte durch die Berichterstattung in den Medien Menschen, die zufällig wohl eher unaufmerksam an Pfandkellner*innen vorbeigegangen wären.

Was als lokale Initiative begann, entwickelte sich dadurch zu einer Diskussion über Kreislaufwirtschaft, Wertschätzung gegenüber Pfandsammler*innen und den Umgang mit Ressourcen in ganz Wien. Darin liegt die Kraft strategischer Kommunikation: Sie macht aus einer guten Idee eine Bewegung, die Menschen überregional erreicht.

Berichte über die Pfandkellner*innen fand man u. a. bei wien.ORF,  ORF Kultur Heute, auf W24, im Der Standard, der Heute, im Kurier und mehr.

Organische Ergebnisse

GOLIF, 
Künstler & Initiator

„Der grantige Wiener Kellner ist ja sowieso etwas, das man kennt, aber in dem Fall bekommt man relativ wenig Gegenwehr.“

© Jakob Stickler / SCHLAWEANA

Fussball verbindet.
Wien Neubau auch.

Bereits am darauffolgenden Tag stand ein anderes Thema, aber ein ähnlicher Ansatz auf dem Programm: Im Auftrag der Stadt Wien produzierten wir Social Media Content rund um das Zusammenkommen für das fußballerische Top-Event Österreich vs. Jordanien am Sankt-Ulrichs-Platz. Doch das eigentliche Thema war nie Fußball: Das Konzept stellte von Beginn an das Lebensgefühl im Bezirk Neubau in den Mittelpunkt.

So begann diese Geschichte nicht erst mit Spielanpfiff um 6.00 Uhr, sondern bereits mit Erwachen des Bezirks am 17. Juni 2026 um 4.57 Uhr. Gemeinsam mit dem Sonnenaufgang, dem ersten Kaffee des Tages, mit Nachbar*innen, die sich begegnen und Besucher*innen, die auf den Platz strömten. Das Match war der Anlass, sichtbar zu machen, was den Bezirk so besonders macht: Gemeinschaft, Vielfalt und Zusammenhalt. Wien Neubau verbindet.

Wien Neubau ist (fußball-)begeistert

Die statistik

Wir übernahmen während der Partie das Social Media Management der Accounts der politischen Vertretung des 7. Bezirks und generierten 25.000 organische Story Views. Das produzierte Video erreichte die Zielgruppe von Neubau aus in ganz Wien.

„Neubau verbindet. Das ist das, was wir heute in unserer Gesellschaft brauchen: mehr Orte der Begegnung, ein gutes, friedliches und begeisterndes Miteinander. Wie beim gemeinsamen Fußballschauen ist auch das eine Essenz dessen, was wir in der Demokratie brauchen. Demokratie bedeutet, sich frei bewegen zu können, aber auch, in Gemeinschaft zu leben. Deshalb haben wir dieses gemeinsame Public Viewing veranstaltet.“

Markus Reiter,
Bezirksvorsteher Neubau

Ganz Wien: Auf Pfand und im WM Fieber

Ob künstlerische Intervention auf einer Wiener Einkaufsstraße oder emotionaler Content für einen der Wiener Gemeindebezirke: Beide Projekte beweisen, dass lokale Netzwerke durch Social Media weit über ihren geografischen Ursprung hinaus wirken können. Voraussetzung dafür? Authentisches Storytelling und professionelle strategische Umsetzung.
Die Herausforderung besteht nicht darin, Geschichten zu finden, sondern sie so aufzubereiten, dass Communitys bewusst hinschauen, sich damit auseinandersetzen und sich selbst darin wiederfinden. So wird aus einem Grätzl-Event Stadtgespräch.